» Letters from Jean Vanier » Deutsch

11/01/2012
Liebe Freunde,
Jetzt ist es erledigt! Die Reise von der Louise Marillac Straße 31 in die Orléans Straße 19 fand statt: der Umzug der Möbel, der Bücher, der Papiere und von noch mehr Papieren und noch mehr Büchern, meinem Bett, meiner Zahnbürste (auch wenn ich nicht mehr viele Zähne habe) und schließlich habe auch ich diese Reise gemacht. Ich wohne an einem neuen Ort in der Nähe von „La Ferme“ (wo ich weiterhin bei Besinnungszeiten die Vorträge halte). Es ist sehr schön hier… durch das große Fenster in meinem Büro sehe ich auf die Kapelle der Arche und den Garten, in dem ein Häuschen nur für Vögel steht. Ich hoffe, dass sie bald kommen werden, um das Vogelfutter aufzupicken und dabei miteinander kämpfen und spielen werden.
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27/09/2011
Liebe Freunde,
Meine Zeit des Friedens im Kloster von Orval hat mit einem Knall begonnen.
Man hatte mich gebeten, einen Vortrag für junge Menschen, die in Orval an einer Besinnungszeit teilnahmen, zu halten. Ich hatte schon mit meinem Vortrag angefangen… aber plötzlich gab es einen Knall, mein Stuhl brach zusammen und ich fiel mit dem Rücken auf den Boden, ich war verwundert und es hat mir einen kleinen Schock versetzt. Mehrere Zuhörer sind zu mir hinter den Tisch geeilt, um mir aufzuhelfen. Ich habe mich auf einen solideren Stuhl gesetzt, diesmal vor den Tisch, und habe weiter über Jesus gesprochen, der seinen Jüngern auf dem Boden kniend, die Füße wäscht! Es ist nichts Gravierendes passiert, eine Rippe war angebrochen, was einige Beschwerden mit sich brachte, ich hatte vor allem nachts Schmerzen. Der Arzt sagte dazu: „Man kann nichts machen, trag nichts Schweres, du musst geduldig sein, irgendwann ist wieder alles in Ordnung.“ Abwarten können ist Hoffnung.
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10/05/2011
Liebe Freunde,
Es ist wieder Frühling, ja der Frühling ist da. Die Sonne wärmt uns, die Vögel singen und nach den Schneeglöckchen blühen die Veilchen, die Gänseblümchen, die Osterglocken, die Krokusse und tausend weitere Blumen. Auch die Obstbäume stehen in Blüte. Vor meiner Haustür wächst ein kleiner Apfelbaum, der voller Blüten ist, er ist mit Blüten übersät, eine Blütenexplosion, die für den Sommer viele Früchte ankündigt. Und dann ist da noch der Rebstock. Nach dem Treffen in Ottrot, an der alle Gemeinschaften der Arche Frankreich 1996 teilgenommen haben, hat man mir ein kleines Stück Holz übergeben. Man hat mir gesagt, es sei ein Rebstock. Ich habe es eingepflanzt, war aber dabei weder meiner selbst noch des Holzes sicher und dann, im April 1997, als dieses Stück Holz völlig abgestorben schien, hat sich eine kleine grüne Spitze gezeigt, aus der zuerst ein Blatt geworden ist und danach haben sich überall Blätter entwickelt und es gab Trauben. Dieser kleine Rebstock ist groß geworden und hat vor einigen Tagen eine Knospe getrieben. Jetzt ist es Frühling.
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23/01/2011
Liebe Freunde,
Ihr werdet es nicht glauben: Trosly liegt unter einer 30 zentimeterdicken Schneedecke! Der Schnee bringt Freude und Unglück zugleich! Schneeballschlachten, Schneemänner, aber die Straßen sind nicht mehr befahrbar, viele rutschen auf dem Glatteis aus und fallen, Gemeinschaftsereignisse können nicht stattfinden. Trosly ist von Cuise la Motte und Pierrefonds abgeschnitten! Seit 1964 habe ich nicht mehr so viel Schnee gesehen! Ja, es ist Weihnachten und in der Grotte geht ein kleines Licht auf, ein Zeichen der Hoffnung!
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28/09/2010
Liebe Freunde,
Die Schwalben sind abgeflogen, jetzt sind sie fort! Das Nest ist leer. Jeden Tag bin ich hier in Orval die drei oder vier Schwälbchen anschauen gekommen. Die Schwalbenmutter ernährte sie stetig mit ihrem großen Schnabel und die Kleinen wuchsen schnell. Sie fühlten sich immer unbehaglicher in ihrem Nest, eingezwängt. Und als es soweit war, begannen sie zu fliegen, ohne dass ihre Eltern es ihnen beigebracht hatten, die Natur hat es so eingerichtet. Der Flug in die Freiheit. Dann sind die Schwalben weggeflogen, das Nest ist leer, und bald werden sie wohl in Richtung Afrikasonne fliegen; nächstes Frühjahr werden sie zurückkommen und auch ihre Nester bauen. So ist das Leben. Man kommt auf die Welt, man wächst heran, man reist, man baut sein Haus, man vermehrt sich, die Kleinen gehen weg und man steigt auf in den Himmel, einen anderen Himmel.
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